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MD-Begutachtung vorbereiten: Pflegetagebuch und Checkliste
Verfasser: Daniel Altenhof, Initiator und operativer Leiter Katharis · Stand: 2026-05-07
Der MD-Termin entscheidet darüber, welcher Pflegegrad bewilligt wird. Eine schlecht vorbereitete Begutachtung führt oft zu zu niedriger Einstufung und damit zu weniger Pflegekassen-Leistung. Eine gute Vorbereitung kostet etwa eine Stunde Aufwand verteilt über zwei Wochen, wirkt sich aber spürbar auf den Alltag aus, sobald der Bescheid da ist.
Was der Medizinische Dienst genau prüft
Der Gutachter prüft die Selbstständigkeit in sechs Modulen, die unterschiedlich gewichtet werden:
- Mobilität (10 Prozent): Aufstehen, Treppen, Gehen, Lagewechsel
- Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (15 Prozent): Orientierung, Erkennen
- Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (15 Prozent): nächtliche Unruhe, Aggression, Ängste
- Selbstversorgung (40 Prozent): Körperpflege, Essen, Anziehen, Toilette
- Krankheits- und therapiebedingte Anforderungen (20 Prozent): Medikamenten-Einnahme, Verbandwechsel, Termine
- Gestaltung des Alltagslebens (15 Prozent): Tagesstruktur, soziale Kontakte
Pflegetagebuch über 14 Tage
Das wichtigste Instrument. Notieren Sie jeden Tag stichpunktartig, welche Hilfe wann nötig war. Beispiel-Eintrag:
07:00 Mutter aufstehen geholfen, alleine zur Toilette nicht mehr
07:20 Anziehen vollständig übernommen, Knöpfe gehen nicht mehr
08:00 Frühstück: Brot schmieren übernommen, Trinken selbst
10:30 Medikamente verteilt und Einnahme kontrolliert
14:00 Mittagessen: Schneiden übernommen, Essen selbst
19:00 Waschen vollständig übernommen
22:00 Bettgang, Stützstrümpfe ausziehen geholfen
Nachts: 2x aufgestanden, Toilettengang begleitet
Vorlagen für Pflegetagebücher gibt es kostenlos beim Pflegestützpunkt oder bei der Compass Pflegeberatung (0800 101 88 00). Auch BAGSO und VdK bieten gute Vorlagen.
Was Sie vor dem Termin bereithalten
- Pflegetagebuch der letzten 14 Tage (siehe oben)
- Diagnosen-Liste mit allen relevanten Ärzten und Befunden
- Aktuelle Medikamenten-Liste mit Dosierung und Einnahme-Häufigkeit
- Hilfsmittel-Liste: Rollator, Pflegebett, Toilettenstuhl, Sauerstoffgerät, Hörgeräte etc.
- Vorhandene Atteste oder Krankenhausberichte der letzten 12 Monate
- Schwerbehindertenausweis falls vorhanden
- Liste der bisherigen Pflegepersonen mit Stundenzahl pro Woche
Was Sie nicht tun sollten
Nicht aufräumen. Der Gutachter soll den Alltag sehen, nicht eine inszenierte Wohnung. Wenn der Boden voller Wäsche liegt weil Bücken nicht mehr geht, lassen Sie es so.
Nicht für die Person sprechen. Lassen Sie die pflegebedürftige Person die Fragen selbst beantworten, auch wenn sie unvollständig oder verwirrt antwortet. Das ist Teil des Gutachter-Bilds. Ergänzen Sie nur, wo nötig.
Keine "Aktivierungs-Tabletten" geben. Manche Familien geben am MD-Tag eine Aktivierungs-Dosis Medikament damit die Person "wacher wirkt". Das verzerrt das Bild und führt regelmäßig zu zu niedriger Einstufung.
Was nach dem Termin passiert
Der Gutachter erstellt sein Gutachten, die Pflegekasse entscheidet. Das dauert typisch fünf bis 25 Wochen ab Antragsdatum. Sobald der Bescheid da ist, gilt der Pflegegrad rückwirkend ab Antragsdatum. Das heißt: Leistungen die Sie in der Wartezeit beanspruchen, werden bei Bewilligung erstattet.
Bei Ablehnung haben Sie einen Monat Zeit für einen Widerspruch. Den begleiten wir nicht selbst, vermitteln aber an Pflegestützpunkt oder Sozialrechts-Anwalt.
Wo wir helfen
Wir leisten administrative Antrags-Hilfe: Formulare ausfüllen, MD-Termin koordinieren, Pflegetagebuch strukturieren. Inhaltliche Pflegeberatung im Sinne von Paragraph 7a SGB XI ist Aufgabe der Pflegestützpunkte. Mehr dazu auf Pflegegrad-Antrags-Hilfe.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die MD-Begutachtung?
Typisch 45 bis 90 Minuten. Der Gutachter kommt zu Ihnen nach Hause, schaut sich die Wohn-Situation an und fragt strukturiert die sechs Lebensbereiche ab: Mobilität, kognitive Fähigkeiten, Verhalten, Selbstversorgung, Krankheits-Bewältigung, Alltagsleben.
Soll ich beim MD-Termin "schöner" wirken oder die schlechtesten Tage zeigen?
Zeigen Sie den Alltag wie er ist, an einem typischen Tag. Nicht den besten Moment, aber auch nicht inszenieren. Das Pflegetagebuch deckt den Verlauf über 14 Tage ab und gibt dem Gutachter den Überblick. Schönen Sie nichts: der Gutachter ist geschult, das zu erkennen, und Schönfärberei führt zu zu niedriger Einstufung.
Was wenn die pflegebedürftige Person beim Termin "gut drauf" ist?
Das passiert oft, weil Anwesenheit von fremden Menschen aktiviert. Sagen Sie dem Gutachter explizit: "Heute ist ein guter Tag, im Tagebuch sehen Sie wie es sonst läuft." Reichen Sie das Pflegetagebuch direkt am Anfang aus. Lassen Sie sich nicht stressen, der Gutachter kennt den Effekt.
Wer sollte beim MD-Termin dabei sein?
Mindestens eine Person, die den Alltag der pflegebedürftigen Person genau kennt, idealerweise die Hauptpflegeperson. Bei dementen Personen ist Begleitung Pflicht, sonst kommt kein vollständiges Bild zustande. Auch der Hausarzt kann ein Attest für den Gutachter mitgeben.
Quellen
- Medizinischer Dienst Bund - Begutachtungs-Richtlinien 2026
- Bundesgesundheitsministerium - Pflegegrade und Begutachtung
- BAGSO - Vorlagen Pflegetagebuch
- VdK Sozialverband - Beratungs-Materialien
- Compass Pflegeberatung (0800 101 88 00)